Bava Batra 254

Kapitel 254

א זה לזה
1 Einer schreibe dem anderen eine Vollmacht.
ב מה נפשך אי כרבנן סבירא ליה לישלח להו כרבנן אי כרבי יהודה סבירא ליה לישלח להו כרבי יהודה
2 – Nach wessen Ansicht: ist er der Ansicht der Rabbanan, so sollte er ihnen doch nach den Rabbanan erwidert haben, und ist er der Ansicht R. Jehudas, so sollte er ihnen doch nach R. Jehuda erwidert haben!? –
ג מספקא ליה אי כרבי יהודה אי כרבנן
3 Ihm war es zweifelhaft, ob nach R. Jehuda oder nach den Rabbanan [zu entscheiden sei]. –
ד מאי היא דתניא (דברים כא, יז) יכיר יכירנו לאחרים
4 Was ist dies? – Es wird gelehrt: <i>Anerkennen</i>, anderen gegenüber anerkennen.
ה מכאן א"ר יהודה נאמן אדם לומר זה בני בכור וכשם שנאמן אדם לומר זה בני בכור כך נאמן אדם לומר זה בן גרושה וזה בן חלוצה וחכמים אומרים אינו נאמן
5 Hieraus folgerte R. Jehuda, daß ein Mensch glaubhaft sei, wenn er sagt: dieser mein Sohn ist erstgeborener. Und wie er glaubhaft ist, wenn er sagt: dieser mein Sohn ist erstgeborener, ebenso ist er glaubhaft, wenn er sagt: dieser ist der Sohn einer Geschiedenen, dieser ist der Sohn einer Ḥaluça. Die Weisen sagen, er sei nicht glaubhaft.
ו א"ל רב נחמן בר יצחק לרבא בשלמא לרבי יהודה היינו דכתיב יכיר אלא לרבנן יכיר למה לי
6 R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu Raba: Erklärlich ist nach R. Jehuda [das Wort] <i>anerkennen</i>, welche Bedeutung aber hat [das Wort] <i>anerkennen</i> nach den Rabbanan? –
ז בצריך היכרא
7 Wenn eine Anerkennung nötig ist. –
ח למאי הלכתא למיתבא לו פי שנים לא יהא אלא אחר אילו בעי למיתבא ליה במתנה מי לא יהיב ליה
8 Wohl zu dem Zwecke, um ihm einen doppelten Anteil zu geben; darf er denn nicht, auch wenn er ein Fremder ist, ihm ein Geschenk machen!? –
ט לא צריכא בנכסים שנפלו לו לאחר מכאן
9 In dem Falle, wenn ihm Vermögen später zugefallen ist. –
י ולר"מ דאמר אדם מקנה דבר שלא בא לעולם יכיר למה לי
10 Wozu aber ist [das Wort] <i>anerkennen</i> nach R. Meír nötig, welcher sagt, ein Mensch könne das zueignen, was noch nicht auf die Welt gekommen ist!? –
יא בנכסים שנפלו לו כשהוא גוסס:
11 Hinsichtlich des Vermögens, das ihm bei der Agonie zufällt.
יב ת"ר היו מוחזקין בו שהוא בכור ואמר אביו על אחר שהוא בכור נאמן היו מוחזקין בו שאינו בכור ואמר אביו בכור הוא אינו נאמן
12 Die Rabbanan lehrten: Wenn es von ihm bekannt war, daß er kein Erstgeborener ist, und der Vater von ihm sagt, er sei Erstgeborener, so ist er nicht glaubhaft, nach den Rabbanan. Wenn es von ihm bekannt war, daß er kein Erstgeborener ist, und der Vater von ihm sagt, er sei Erstgeborener, so ist er glaubhaft, nach R. Jehuda.
יג רישא רבי יהודה וסיפא רבנן
13 Der Anfangsatz nach den Rabbanan und der Schlußsatz nach R. Jehuda.
יד א"ר יוחנן אמר בני הוא וחזר ואמר עבדי הוא אינו נאמן עבדי הוא וחזר ואמר בני הוא נאמן דמשמש לי כעבדא קאמר
14 R. Joḥanan sagte: Wenn er sagte: er ist mein Sohn, und darauf sagt: er ist mein Knecht, so ist er nicht glaubhaft; wenn aber: er ist mein Knecht, und darauf sagt: er ist mein Sohn, so ist er glaubhaft, denn er meinte, er bediene ihn wie ein Knecht.
טו וחילופיה אבית המכס היה עובר על בית המכס ואמר בני הוא וחזר ואמר עבדי הוא נאמן אמר עבדי הוא וחזר ואמר בני הוא אינו נאמן
15 Entgegengesetzt verhält es sich bei einem Zollhause: wenn jemand an einem Zollhause vorübergeht und sagt: er ist mein Sohn, und später sagt: er ist mein Knecht, so ist er glaubhaft; wenn er aber sagte: er ist mein Knecht, und später sagt: er ist mein Sohn, so ist er nicht glaubhaft.
טז מיתיבי היה משמשו כבן ובא ואמר בני הוא וחזר ואמר עבדי הוא אינו נאמן היה משמשו כעבד ובא ואמר עבדי הוא וחזר ואמר בני הוא אינו נאמן
16 Man wandte ein: Wenn dieser ihn wie ein Sohn bediente und er von ihm auch sagte, er sei sein Sohn, und darauf sagt, er sei sein Knecht, so ist er nicht glaubhaft; wenn dieser ihn wie ein Knecht bediente und er von ihm auch sagte, er sei sein Knecht, und darauf sagt, er sei sein Sohn, so ist er nicht glaubhaft!?
יז אר"נ בר יצחק התם דקארו ליה עבדא מצר מאה מאי מצר מאה מצר עבדא ק' זוזי
17 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Dies in dem Falle, wenn er ihn einen Knecht seiner hundert nennt. – Was heißt: seiner hundert? – Ein Knecht, der hundert Zuz wert ist.
יח שלח ליה ר' אבא לרב יוסף בר חמא האומר לחבירו עבדי גנבת והוא אומר לא גנבתי מה טיבו אצלך אתה מכרתו לי
18 R. Abba ließ R. Joseph b. Ḥama mitteilen: Wenn jemand zu seinem Nächsten sagte: du hast meinen Sklaven gestohlen, und dieser ihm erwiderte: ich habe ihn nicht gestohlen, und als jener ihn fragte, wieso er zu komme, er ihm erwidert: du hast ihn mir verkauft,